27.07.2017 10:10

Ausgabe 3: Richtiges Belüften in Grenzsituationen

Praxisprobleme auf den Punkt gebracht.

Belüften, sei es jetzt mit normalen Gebläsen oder mit Trockenkühlern, ist heutzutage die normale Behandlung für die gro ße Masse des geernteten Getreides. Üblicherweise ist dies bei erntefrischer Ware mit hohen Tempe raturen nicht besonders schwierig. Allerdings kann es bei speziellen Situati onen zu Schwierigkeiten oder Fragen kommen.

 

Kondensationsprobleme des Silos

Was ist das grundlegende Problem?
Wie so oft bei der Getreidelagerung ist das übliche Problem wieder einmal Schwitzwasser oder Kondensation. Bildet sich Schwitzwasser, so führt dieses unweigerlich zu Schimmelbil dung, z.B. zu Schichtenbildung im Lager, fest geschimmelte Ware über den Siebböden, die die Belüftungslöcher der Kanäle zusetzt, etc.

Was sind die häufigsten Probleme?
Zurückzuführen ist diese Kondenswasserbil dung fast immer auf Temperaturunterschiede. Hierzu muß man wissen, dass Luft, die sich abkühlt, dabei ihre Luftfeuchtigkeit erhöht. Für jedes Grad, welches sich die Luft abkühlt, erhöht sich die Luftfeuchtigkeit um 5 Prozent. Hört sich wenig an, ist aber immens und ge schieht blitzschnell. Beispiel: Man pustet Luft in einen Silo mit einer Temperatur von 25 Grad und einer Feuchtigkeit von 75 %. Führt der Weg der Luft nach oben, an einer kühlen Silo außenwand oder einer kalten Schnecke vorbei oder nur durch eine Schicht kälteren Getrei des, so kühlt sich die Luft schlagartig ab und die Luftfeuchtigkeit erhöht sich sprunghaft. Ist die Schnecke z.B. nur 18 Grad warm, so kühlt sich die Luft um 7 Grad ab. Die Luftfeuchtig keit steigt um 7 x 5 %, also um 35 %! Bei 100% relativer Luftfeuchtigkeit ist aber Schluss, somit wirft die Luft das überschüssige Wasser einfach raus. Es ensteht Schwitz oder Kon densationswasser, was wiederum sofort zu Schimmel führt.

Welche Praxisprobleme können einen tref fen?
Ein klassisches Problem ist eine Pause in der Ernte. Man füllt den Silo, zuerst einmal halbvoll, dann ist Erntepause. Um die Zeit zu nutzen, und die ersten Tage der Belüftung, solange der Silo noch nicht voll ist, sind die effektivsten Belüf tungstage. Hier wird die Ware bereits auf nächt liche Außentemperatur gekühlt, also 18 Grad. Nach ein paar Tage kommt die nächste Ware mit einer Erntetemperatur von 30 Grad. Jetzt pas siert es! 30 Grad warme Ware liegt auf 18 Grad kalter Ware: Kondensationsgefahr! Ganz einfach deshalb, weil sich die warme Luft zwischen den warmen Körnern an der kalten Luft der kühle ren Ware abkühlt und zwar erheblich. 12 Grad Temperaturunterschied machen einen Feuchtig keitsunterschied oder –anstieg von 60 % aus! Es entsteht sehr viel Schwitzwasser genau an der Schicht zwischen der warmen und der kalten Ware. Ca. 7 Tage braucht der Schimmel, bis er ganze Bereiche zugesetzt haben kann, durch die man dann nicht mehr belüften kann, weder mit der teuersten Kühlmaschine noch mit dem kräf tigsten Gebläse.

Was ist die Lösung des Problems?
Das Schwitzwasser entsteht nur, wenn man die Ware einfach liegen lässt. Wird die Ware zügig belüftet, mit einem Trockenkühler oder einem guten Gebläse, so wandert diese Problemschicht einfach nach oben und wird zudem noch egali siert. Natürlich darf man wärmeres Getreide auf kälterem Getreide einlagern, aber man muss es zwingend umgehend belüften, sonst ent steht Schwitzwasser und damit Schimmel. Ein weiterer Punkt für Kondensation ist das Belüften mit zu warmer Luft oder zu feuchter Luft. Wurde ein Silo beispielsweise während einer sehr kühlen Woche bereits auf Tempe raturen von z.B. 15 Grad herabgekühlt und es folgt danach eine sehr warme Woche mit hohen Nachttemperaturen, von vielleicht 18 Grad, so ist eine Belüftung in dieser warmen Woche nicht mehr möglich. Es würde folgen des passieren: Die Belüftungsluft von ca. 18 20 Grad würde auf kühleres Getreide von 15 Grad treffen. Die Luft kühlt sich ab, erhöht die Luftfeuchtigkeit und feuchtet das Getreide di rekt oberhalb der Kanäle oder Luftaustrittsflä chen des Belüftungssystems an. Es entsteht Kondensfeuchtigkeit, also wieder Schimmel mit verfestigtem Getreide, welches die Löcher des Belüftungssystems zusetzen kann. Deshalb sollte man auch während kühlerer Phasen des Sommers die Gebläse oder Tro ckenkühler dennoch immer nur auf 1820 Grad eingestellt lassen, um möglichst viele Stunden am Tag für die Kühlung nutzen zu können. Es ist nicht so wichtig, einen kleinen Teil der Ern te stark herunter zu kühlen. Es ist viel wichti ger, die ganze Ernte zügig unter die 20 Grad Grenze zu belüften. Also bitte niemals mit wär merer Luft in kälteres Getreide belüften. Dies kann zu Schwitzwasser und Schimmel führen.


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