01.03.2018 12:07

Ausgabe 6: Drainagerohre - Ja oder Nein?

Neues aus der Wissensdatenbank.
Irgendwann kommt jeder Geschäftsführer oder Lagerist einmal an den Punkt, sich Alternativen zu den Blechkanälen zu suchen. Die Blechkanäle liegen oftmals im Weg und die Mitarbeiter sind nie ordentlich genug und fahren daher jedes Jahr immer wieder Blechkanäle kaputt. Bei 50 defekten Blechkanälen kann das so schnell eine Rechnung von 500 Euro jedes Jahr bedeuten ärgerlich. Da kommt dann doch die Erkenntnis eines Nachbarn genau richtig, dass man Getreide ebenso gut auch mit einfachen Drainagerohren belüften kann. Zumal ein Meter Drainagerohr doch erheblich günstiger sein kann als ein Blechkanal. Aber funktioniert das denn wirklich ? Man liest und hört inzwischen auch viel über Lager, die große Probleme und teure Schadensfälle durch die Verwendung mit Drainagerohren hatten.

Die Antwort auf diese Frage ist, wie meist, eine recht einfache: Ja, man kann Drainagerohre zur Getreidebelüftung verwenden, aber man muss sie richtig einsetzen! Es gibt gravierende Unterschiede zwischen einem Blechkanal und einem Drainagerohr. Der offensichtlichste Unterschied ist die schiere Größe. Ein kleiner Blechkanal ist immerhin noch dreimal so groß wie ein großes Drainagerohr (200mmØ) und das macht einen gewaltigen Unterschied. Bekommt man durch den kleinsten Blechkanal ohne Probleme ca. 12.000 cbm Luft pro Stunde durchgepustet, so kann ein Drainagerohr lediglich 2.500-3.500 cbm pro Stunde aufnehmen und das hat Konsequenzen:  

1. Für die Belüftung des Getreides braucht man eine gewisse Mindestmenge an Luft pro Stunde. Dies sind im Normalfall 5-10 cbm Luft pro Stunde je cbm Lagervolumen. Hat man also 1.500 to Getreide gelagert, so würde dies einem Volumen von ca. 2.150 cbm entsprechen. D.h. Minimumbelüftung wäre mit ca. 11.000 cbm/h möglich, besser wären bis zu 21.000 cbm je Stunde. Nehmen wir einen Mittelwert von 7,5 cbm/cbm/h an, so sollten wir ca. 16.000 cbm durchs Getreide pusten. Ein Blechkanal könnte 12.000 cbm/h aufnehmen, das reicht nicht ganz, aber mit zwei Stutzen und Strängen wäre die Belüftung mehr als gesichert. Ein Drainrohr 200mmØ kann lediglich ca. 3.000 cbm/h aufnehmen, somit bräuchten wir mindestens 6 Stränge, um eine ordentliche Belüftung zu sichern. Dann klappt das auch mit dem Drainagerohr. Also, um einen Blechkanal zu ersetzen, sollte man stattdessen mindestens dre, besser vier große Drainagerohre verwenden, dann kommt auch genug Luft durch das Getreide. Der häufigste Fehler der mit Drainagerohren gemacht wird, ist der, dass ein Blechkanal, aus Ersparnisgründen, durch ein Drainagerohr ersetzt wird. Das klappt definitiv nicht und geht irgendwann schief, oder dauert ewig lange wie Punkt 2 erklären wird.

2. Ein weiterhin gern gemachter Fehler ist der, durch Drainagerohre das gesamte Belüftungssystem kaputt zu machen, zumindest lufttechnisch. Wie auf dem unten sichtbarem Bild darstellt, ist hier ein großer, normaler Belüftungsschlauch auf ein Drainagerohr befestigt, aber kunstvoll. Diese Verjüngung hat katastrophale Folgen für die Belüftung. Beispiel:Ein angenommenes, imaginäres Gebläse kann eine Luftmenge von 10.000 cbm/h Stunde leisten, damit könnte dies Gerät mehr als 7 cbm Getreide pro Stunde kühlen. Für diese normale Luftmenge hat das Gebläse einen passenden Stutzen und einen passenden Schlauch. Diese müssen groß sein, um all die Luft aufnehmen zu können. Sollte sich jetzt eine Verjüngung, ein Engpass, einschleichen, so staut sich hier die Luft und kommt nicht weiter. Es bilden sich Verwirbelungen, die den Luftstrom behindern und eindämmen. Das Gebläse „merkt“ diesen Widerstand und erhöht den Druck, um Luft in diese Verjüngung zu pressen. Dabei geht aber die Luftmengenleistung, d.h. die Kühlleistung, des Gebläses radikal zurück.

Im Beispiel des Bildes 1 würde die Luftmenge tatsächlich von ca. 9.000 cbm/h auf lediglich 2.500-3.000 cbm/h zurückgehen, somit auch die Kühlleistung von 7 cbm/h auf unter 2 cbm/h gedrosselt. Dies liegt daran, dass alle Gebläse auf dem Markt sehr empfindlich auf Widerstände reagieren und sofort und radikal die Luftmenge reduzieren, sobald Widerstände auftreten. Beim Beispiel des Bildes wird tatsächlich die Leistung der Maschine um ca. 70 % reduziert, d.h. am Getreide werden lediglich 30% der Energie noch in Kühlleistung umgesetzt. Solch eine Kühlmaschine verbraucht ca. pro Stunde 30 kwh, wovon im Umkehrschluss 70%, also 21 kwh, oder 7 €/ Stunde weggeschmissen werden! Nur durch diese eine Reduzierung verliert man 70 % der Kühlund Energiekosten oder andersherum, die Getreidekühlung kostet plötzlich das Dreifache. 150 € an vergeudeten Stromkosten am Tag kostet allein dieser kunstvolle Übergang. Bei 4-5 Tagen Belüftungszeit, eher mehr, kommen da schnell 600 € pro Jahr pro Box zusammen.Dafür könnte man eine Menge Blechkanäle kaufen. Ein weiteres Problem bei der Verlegung der Drainagerohre besteht in der korrekten Befestigung der Rohre am Boden. Bei der kleinsten seitlichen Befüllung verrutschen diese Rohre sofort, was zur Folge hat, dass ganze Bereiche der Lagerbox nicht mehr zu kühlen sind und sich dort dann Käfer ungehindert ausbreiten können (siehe Bild 2).

Bild 1

Unterschiedliche Varianten der Befestigung werden angewandt, von Zusammenbinden mit Sackleinen über Ketten oder Schellen, die die Rohre am Boden befestigen. Auf jeden Fall ist die korrekte Verlegung und Sicherung der Drainrohre sehr wichtig. Die Kanalabstände untereinander, also zwischen Drainrohr und dem Nachbarrohr sollten erfahrungsgemäß 1/3 der Schütthöhe nicht übersteigen und der Abstand zur Wand maximal 1/6 der Schütthöhe. Allerdings sollte ein maximaler Abstand zwischen den Rohren von 1,8 – 2 m nicht überschritten werden. Dies liegt daran, dass die Rohre halt nur geringe Mengen Luft aufnehmen können und daher auch nur jeweils eine kleine Menge Getreide belüften können. Die Kanallängen der Drainagerohre sollten 15 m nicht überschreiten. Messungen haben ergeben, dass nach recht kurzer Strecke die Rohre bereits einen Großteil der Luft abgegeben haben. Es kommt auch weiter hinten noch Luft an, aber in mehr in vergleichbarer Menge, wodurch eine Kühlung weiter hinten schwierig werden könnte. Beachtet man also einfach ein paar Grundregeln bei dem Einsatz von Drainagerohren, so können diese sehr wohl auch zur Belüftung genutzt werden. Wichtig ist nur, dass erheblich mehr Rohre als Blechkanäle verlegt werden müssen.

Bild 2

Es gibt auf dem Markt bereits Drainagerohre mit einem Durchmesser von 30 cm, meist als starre Rohre nicht mehr auf Rolle, diese können recht gut eingesetzt werden, da sie nur etwas kleiner sind als kleine Blechkanäle, allerdings bereits teurer als Blechkanäle. Viel Erfolg bei der Kanalverlegung.


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